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Dreamo in Cupertino

Reha nach Fresno

Durch eine ausgetrocknete Savannenlandschaft und diffuses Licht fahren wir Richtung Cupertino, wo die Firma Apple ihren Hauptsitz und meine Freundin Ursina ihren Wohnsitz haben.


Die Waldbrände in der Ferne sorgen für ein dramatisches Ambiente, während Sheriffs und Highway Patrols ihre halsbrecherischen und filmreifen Auftritte keine zwei Meter neben uns zelebrieren. Ich kann die Szenen auf der Autostrasse nicht so recht geniessen, denn mein Fuss ist noch nicht 100% einsatzfähig und ich muss mich konzentrieren.


Wir kommen gut voran und machen vor Cupertino noch einen Abstecher nach Moss Landing. Ein kleines touristisches Küstendorf mit bekanntem Flohmarkt und hauseigenem Gaskraftwerk. Da schlägt unser Sightseeing-Herz natürlich höher: Gaskraftwerk wie toll!!! Lieber bisschen Flohmarkt. Ich kaufe einen Pokal mit Venusskulptur für Ursina. Die opulente Anerkennung hat sie verdient, schliesslich ist am Morgen den San Francisco Halbmarathon gerannt. Leider geht das wahnsinnig schöne Ding ein paar Minuten später kaputt, weil ich hässig auf einen Fish & Chips-Verkäufer bin. Übrigens ist es seit langem wiedermal kühl und windig und das Meer ist schön. Wir müssen aber weiter, da Reto bei unseren Freunden in Cupertino bereits einen Verkaufstermin mit einem potentiellen Kunden für seine BMW hat.


Am Nachmittag kommen wir im sonnigen Cupertino an. Meine Freundin Ursina begrüsst uns mit Baby und Muskelkater. Reto ist bereits tief in den Verhandlungen drin. Wir haben unsere Bikes auf Craigslist ausgeschrieben, ich bis jetzt ein wenig erfolgloser als Reto. Er hat nämlich bereits nach dieser ersten Besichtigung einen geltenden Handschlag im Sack und man einigt sich am nächsten Tag schnell schnell alle Formalitäten zu erledigen. Dass aber der Verkauf eines ausländischen Bikes in Kalifornien unmöglich ist, erfahren wir dann auch ziemlich schnell schnell… Kalifornien ist der einzige Bundesstaat, der aus einem Besitzertransfer ein kompliziertes Riesending macht.

Jänu, ich geniesse jetzt mal die Zeit mit Ursina und ihrer Familie, während sich Reto bei den Behörden informiert, kapituliert und sich entscheidet, 15 Stunden zurück nach Kanada zu fahren, um das Bike dort zu verkaufen. Da ich wegen meinen Blessuren nur kurze Distanzen fahren kann und auch keinen Bock auf Bike mehr habe, bleibe ich zuhause. Ursina und Familie sind auch in die Ferien abgedüst, nachdem mir ihr Mann noch am Frühstückstisch die Fäden gezogen hatte. Auf mich gestellt, geniesse ich die Annehmlichkeiten des Silicon Valleys: Ich mache Unfall-Reha in den Redwoods (und wähle die Trails für Senioren) und danach eine Heisskaltschock-Therapie in der Halfmoon Bay (Pullover vergessen), wo ich Buckelwale sehe: die beste Medizin, denn ich hüpfe herum, wie wenn es nie einen Unfall gegeben hätte. Am Schluss teste ich meine Psyche bei einem Persönlichkeitstest in einer cupertinischen Dive-Bar am Samstagabend (Wie lange dauert es, bis mich einer der Typen vom Barhocker haut – also literally?). Meine Disziplin und Sozialverträglichkeit honoriere ich in den folgenden Tagen mit Bier und feinem Essen in einem der unzähligen asiatischen Restaurants.


Überhaupt, hier gibt es gefühlt 90 Prozent Asiaten und Inder von denen die Mehrheit bei Apple, Google oder Facebook arbeitet. Anders als viele Amis und Europäer nehmen sie beim Umzug die ganze Familie samt Grosi und Grossdädi mit. Zudem heiraten die asiatischen Expats viel früher und gründen viel jünger eine Familie. Sie leben also ziemlich zurückgezogen und abgeschirmt in ihren Wohnungen, bei deren Mietzinsen Herr Leupi ein Herzchrisi bekommen würde. Es gibt also keine städtischen Wohnbauten, dafür städtische Sprinkleranlagen, die abends um 21 Uhr loslegen und quer über die Fusswege spritzen. Aber eben, latschen ist den Leuten hier eh zu blöd, lieber fahren sie Auto oder stehen in einer Warteschlange: eine ungeheure Leidenschaft der Amis. Zum Beispiel warten sie stundenlang auf einen Dreamo Double Cremo Bubble Tea. Warten einfach brav in der Schlange. Ich werde es wohl nie erfahren, warum sie das freiwillig machen. Sowieso erfahre ich nicht viel über die Leute in Cupertino. Ausser, dass sie in Kalifornien nicht so gerne mit Fremden und Töfffahrern schwätzen wie in Kanada…




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